Gehen oder bleiben?

Es hatte so schön angefangen, fühlte sich so gut, so richtig an. Endlich der richtige Partner, die richtige Partnerin für's Leben. Endlich angekommen!

 

Vielleicht war es "Liebe auf den ersten Blick", völlig unerwartet, ungeplant, aber unendlich schön und kraftvoll. Vielleicht kannten Sie sich auch schon aus Kindertagen, waren "ewig" zusammen und es schien völlig logisch, auch zusammenzubleiben. Kaum einer ihrer Freunde war überrascht, als Sie sich nach Jahren entschlossen, Ihre "wilde Ehe" zu beenden und doch noch zu heiraten. Und jetzt das. Statt Schmetterlingen jetzt Ernüchterung und das Gefühl, der andere verstehe einen nicht oder nicht mehr. Und die ernsthafte Frage, ob man sich so getäuscht hat, ob man sein ganzes Leben jetzt verändern will (oder muss), ob man gehen oder bleiben will.

 

Probleme in Partnerschaften können sich auf vielfältige Weise äußern. Da gibt es die "stillen" Krisen, in denen fast nur noch geschwiegen wird. Man kennt sich, kennt die Dinge, die täglich so passieren - lohnt sich also nicht, auch noch darüber zu reden. Die Kommunikation verstummt mehr und mehr, jeder macht "sein Ding" und seine Probleme mit sich selber aus (oder mit Freunden). Irgendwann fragt man sich, ob man überhaupt noch zusammengehört, ob man dem anderen noch wichtig ist oder ob einem der andere überhaupt noch etwas bedeutet.

 

Dann gibt es die lauten Krisen, das tägliche "Angiften", die zynischen Interpretationen von Äußerungen des anderen. Da wird geschmollt, gegrollt, die Unterstützung verweigert, werden Kinder gegen den Vater, die Mutter ausgespielt, Fronten gebildet. Jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt, neu interpretiert, bis der andere auf die Palme geht ("Das hab ich nie so gesagt!"). Hauptsache, man "trifft" den anderen, geht als Sieger hervor. Dann fliegen Türen, folgt das erdrückende Schweigen und die Frage, wie lange es so noch weitergehen soll - bis einer den Satz endlich ausspricht: "Dann geh doch!"

 

Kommt noch eine dritte Person ins Spiel (die Geliebte, der Geliebte) und die Heimlichtuerei fordert mehr und mehr Taktieren, wird es richtig kompliziert. Einfach zu gehen, das scheint jedoch auch schwierig zu sein. Vielleicht wegen der Kinder, vielleicht wegen gemeinsamer finanzieller Verpflichtungen, dem beruflichen Ansehen, vielleicht wegen alter Erinnerungen oder der Hoffnung, dass doch noch alles wieder gut werden kann. "So schön das mit meinem Freund auch ist, eigentlich liebe ich meinen Mann", hat mir eine Klientin mal gesagt. Solche zwiespältigen Gefühle sind keine Seltenheit.

 

Reden - aber richtig!

 

Gespräch ist nicht gleich Gespräch. Gerade in emotional aufgeladenen Situationen kann die "echte" Kommunikation schnell abreißen, es kommt zu verbalen Attacken, Ausfälligkeiten, Vorwürfen oder Verletzungen. Damit wird jeder gute Wille, ein Problem zu lösen, schnell im Keim erstickt. "Ich hab ja versucht, mit ihr/mit ihm zu reden" höre ich häufig. Versucht ja - geredet nein. 

 

Gute Kommunikation braucht Regeln. Einfache, aber klare Regeln, die beide kennen und akzeptieren. Erst dann wird ein Dialog auf Augenhöhe möglich. Gute Kommunikation braucht Ehrlichkeit. Davongelaufen sind wir lange genug. Jetzt müssen die Dinge auf den Tisch, die uns helfen zu erkennen, ob es noch eine Schnittmenge gibt, die groß genug ist, um unsere Leben weiterhin miteinander zu teilen. Wenn ja, was darf, was muss sich ändern, damit beide sich wieder glücklich(er) fühlen? Mit welchen Kompromissen können wir leben? Wenn nein, welche Konsequenzen hat eine Trennung? Wie lässt sich was regeln? Und sind Gewalt oder Alkohol im Spiel, sieht die Sache noch völlig anders aus.

 

Gewusst wie!

 

Angst ist immer ein Zeichen von abwesender Klarheit. Angst habe ich immer dann, wenn ich nicht weiß, was kommt, wenn ich unsicher bin, keine Fakten habe, an denen ich mich orientieren kann. Entscheidungen kann ich nur treffen, wenn ich Alternativen habe, für die oder gegen die ich mich entscheiden kann. Dazu bedarf es Inhalten, die ein Paar durch gute und ehrliche Kommunikation schaffen muss. Zu diesen Inhalten zählen zum einen die Lebensfakten (Haus, Geld, Job, Kinder, Eltern, Pflege usw.), aber auch eine neue Beziehungskultur, bestehend aus Achtsamkeit, Respekt, Einfühlen in den anderen, Ich-Botschaften, Werten und Wünschen, einem Eingestehen der eigenen Bedürftigkeit (statt "Ich erwarte von Dir, dass Du mich rettest!") und dem Entwickeln von Strategien zur Stärkung der Eigenverantwortung beider Partner.

 

Eine therapeutische Begleitung kann hier sehr sinnvoll sein. Ein neutraler "Mediator" gibt beiden Seiten Raum, notiert Wesentliches, sorgt dafür, dass die Kommunikation fair bleibt, stellt Fragen, bespricht mögliche nächste Schritte. Ein Therapeut begleitet ein Paar beim Zusammentragen der Lebensfakten (Haus, Job, Finanzen, Kinder, Eltern, Pflege usw.), unterstützt beide Partner dabei, eine neue Beziehungskultur zu entwickeln. Dazu gehören: Achtsamkeit, Respekt vor dem anderen, Einfühlen in den anderen, Wertschätzung, Eingestehen von (negativen) Gefühlen, Ich-Botschaften, Werte, das Aussprechen von Träumen, Wünschen, Zielen. Wie oft habe ich bei derartigen Gesprächen verblüffte Äußerungen wie "So siehst Du mich?" von beiden Seiten gehört. Ein klares Zeichen für fehlende Kommunikation in der Tiefe. Ein Therapeut kann ebenfalls helfen, alte Wunden oder Erlebnisse, die starken (negativen) Einfluss auf die Partnerschaft haben oder hatten, mit einem oder beiden Partnern zu bearbeiten. Auch das schafft häufig eine völlig veränderte Ausgangssituation.

 

Bei Paaren arbeite ich (aber nicht nur dort) gerne mit der Transaktionsanalyse (das Eltern-Ich, das Kind-Ich, das Erwachsenen-Ich) - und stelle immer wieder fest, dass das Erwachsenen-Ich bei vielen Menschen entweder gar nicht vorhanden oder stark unterentwickelt ist. Haben Menschen die sich wiederholenden Mechanismen von (guter) Kommunikation, Macht, Ohnmacht, Eigenverantwortung und Selbstermächtigung erst einmal verstanden, entwickeln sie sich häufig erstaunlich schnell weiter.

 

Viele Paare, die ich begleiten durfte und die kurz vor dem Aus standen, haben durch das Erkennen dieser "Spielregeln" plötzlich ganz neue Ebenen ihrer Beziehung entdecken können. Interessanterweise stammen nämlich viele Beziehungsprobleme gar nicht aus der eigenen Partnerschaft, sondern haben sich durch Wertvorstellungen, Erziehung und Glaubenssätze der Ursprungsfamilien in die Beziehung "hineingemogelt". Werden diese enttarnt, entfaltet sich ein ganz neuer Grad von Freiheit und Ebenbürtigkeit in vielen Partnerschaften - ein großartiges Gefühl, das mitzuerleben!

 

Gut zu wissen

Im Rahmen meiner Praxisarbeit biete ich neben Einzel- und Paartherapie auch regelmäßig Seminare, Vorträge, Workshops sowie Kursreihen über mehrere Wochen an. Schauen Sie doch einfach regelmäßig vorbei. Hier geht es zu den aktuellen Terminen.

 

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© Autentaris 2019 Christina Döpper Heilpraktikerpraxis für Psychotherapie, Coaching und Hypnose