Dieses Thema ist mir ein Herzensanliegen, deshalb habe ich diesen Aspekt in mein therapeutisches Spektrum aufgenommen. Warum das so ist, möchte ich Ihnen anhand meiner eigenen Geschichte kurz erläutern.

 

Tiefe Sehnsucht

 

Meine Eltern waren nie wirklich glücklich miteinander gewesen. Als sie ihr erstes Kind von ihm bekam, war sie noch mit einem anderen Mann verheiratet, der dummerweise zeugungsunfähig war (deshalb fiel es leider auf). Die offizielle Version war später, mein Vater habe meiner Mutter "nachgestellt". So zog sie von Chemnitz nach Oberbayern, ließ sich scheiden und heiratete meinen Vater. In den 50ger Jahren sicherlich kein leichtes Unterfangen für eine 25jährige junge Frau. Nach drei Jahren bekam sie ihr zweites Kind. Mein Vater nahm es schon damals mit der Treue nicht ganz so genau. Als sie später mit mir schwanger war, ging er erneut fremd. Doch bekanntlich hat die Medaille ja zwei Seiten. Einerseits handelte er als Vater von drei Kindern und einem neu gebauten Reihenhaus völlig verantwortungslos, andererseits muss es gute Gründe gegeben haben, die ihn immer wieder flüchten ließen. Als ich sieben war, eskalierte die Situation erneut. Mutter war ihm wieder auf die Schliche gekommen, wollte endgültig die Scheidung. Da es Schulden gab, verkauften beide das Reihenhaus. Da die Verwandtschaft meiner Mutter in Nordrhein-Westfalen wohnte, entschloss sie sich kurzerhand, mit allen drei Kindern nach Hamm zu ziehen.

 

Informiert - oder gar gefragt - wurde ich nicht. Eines Tages kam der große Möbelwagen, wir fuhren mit dem Zug hinterher. Elternhaus weg, mein Garten mit meiner Schaukel weg, Berge weg, Schule weg, Freunde weg, Vater weg. Einfach so. Und niemanden interessierte es, wie es mir dabei ging. Diese Gefühle werde ich nie vergessen.

 

Meine Kindheit bestand danach aus Anklagen gegenüber meinem Vater. "Das hast Du Deinem Vater zu verdanken!" hörte ich meine Mutter häufig sagen. "Wenn Dein Vater nicht..." 12 Jahre habe ich ihn danach nicht gesehen, tägliche Streitereien und Anwaltsbriefe um Sorgerecht und Unterhalt erlebt. Meine Mutter war so mit sich, ihrer Rache und meinen älteren Schwestern beschäftigt, dass ich glatt durch's Raster fiel. Irgendwie gab es mich in dieser Zeit gar nicht. Meine Kindheit war für mich gefühlt mit acht beendet. Freunde zu Besuch duldete meine Mutter nicht, das Einzige, was mich am Leben hielt, war die Schule (in der ich eine Außenseiterin und Streberin war) und meine liebevolle Großtante, bei denen ich in Dortmund meine Sommerferien verbringen durfte. Ein kleines Stückchen Himmel.

 

Nach dem Abitur fuhr ich zum ersten Mal wieder zu meinem Vater. Meine Mutter zeterte, ich war (endlich) erwachsen und entschied selbst. Mein Vater hatte zwischenzeitlich drei Herzinfarkte erlitten. Für sechs Jahre gelang es uns, zumindest eine Art "Urlaubsbeziehung" zu führen. Als ich 25 war, starb er an seinem vierten Herzinfarkt - oder besser an gebrochenem Herzen. Ich hätte ihn noch so sehr gebraucht und stand nun wieder alleine da.

 

Kinder brauchen beide Eltern!

 

Wenn extreme Dinge wie Drogen- oder Alkoholabhängigkeit oder körperliche Gewalt eines Elternteils eine Rolle spielen, sind selbstverständlich besondere Regelungen und Vorgehensweisen vonnöten, um alle Beteiligten zu schützen. In diesen Fällen muss man sich natürlich die Frage stellen, ob es sinnvoll (oder sicher) ist, mit beiden Elternteilen den Kontakt zu halten - auch wenn auch diese Menschen sich grundsätzlich gegenseitig für ihre Entwicklung brauchen. Diese Fälle möchte ich also in keinem Fall bagatellisieren, hier jedoch auch nicht in den Fokus stellen.

 

Reden wir von einer "ganz normalen" Scheidung, wie ich eine als Kind erlebt hatte, ist bereits ein solcher Zustand für ein Kind schlimm genug und extrem belastend. Die Sehnsucht nach meinem Vater, mein Heimweh waren unbeschreiblich, der Hass, den meine Mutter schürte, war enorm. Kein Mensch hat sich darum gekümmert, ob ich ein glücklicher Mensch bin oder werde. Ich selbst musste mit mir und meinen Gefühlen klarkommen und musste mich immer wieder neu zwischen "Liebe" und "Hass" entscheiden. Hätte ich mich später nicht psychologisch mit meinem Elternhaus auseinandergesetzt und meine Geschichte aufgearbeitet, wäre ich vielleicht im Hass und in der Abwärtsspirale hängengeblieben.

 

Deshalb appelliere ich an dieser Stelle an alle Paare, die eine Scheidung in Erwägung ziehen: trennen Sie sich, ja, tun Sie das. Es kann für Sie als Paar der absolut richtige und notwendige Schritt sein. Doch seien Sie sich darüber im Klaren, dass Ihre Kinder BEIDE Elternteile brauchen und ein Recht auf BEIDE Elternteile haben.

 

Was Mütter ihren Kindern geben können, können nur Mütter ihren Kindern geben, was Väter ihren Kindern zeigen und beibringen können, das können nur Väter. Stellen Sie Ihr Ego zum Wohl Ihrer Kinder zurück und sorgen Sie dafür, dass ALLE glücklich werden dürfen. Der Schaden, den Eltern ihren Kindern durch ihre "Rachefeldzüge" zufügen, ist immens. Alleine die Tatsache, dass Kinder sich plötzlich zwischen "Mama" und "Papa" entscheiden sollen (wo sie doch beide lieb haben...), ist ein No-Go! Für Kinder ist die Welt bunt - teilen Sie sie nicht plötzlich in schwarz und weiß!

 

Hilfe von außen

 

Haben Sie vor, sich scheiden zu lassen und der Graben zu Ihrem Partner ist tief, kann professionelle Hilfe dafür sorgen, dass die gefürchtete "Schlammschlacht" ausbleibt. In derartigen Fällen werde ich auch gerne zum "Anwalt der Kinder" und erarbeite mit Ihnen, was für alle Beteiligten das Beste ist. JEDER soll seine Bedürfnisse aussprechen dürfen und eine Möglichkeit bekommen, gut für sich zu sorgen.

 

Denken Sie immer daran: hier sitzen Menschen (ob zwei, drei, vier oder mehr...), die sich irgendwann aus Liebe verbunden haben. Das kann jetzt nicht alles "weg" sein (und das ist es auch nicht!). Spüren Sie, wieviel Frieden, Kraft und Freiheit es Ihnen schenkt, hier Lösungen zu finden, die allen helfen. Kein schlechtes Gewissen, keine Tränen. Sie haben die Chance, Ihren Kindern eine Botschaft mit auf den Weg zu geben: "Es ist richtig, wenn Du Dich für Dich entscheidest. Ich tue das hier auch gerade. Es kann dazu führen, dass Du anderen Menschen damit weh tust. Das musst Du lernen auszuhalten - für ein höheres Ziel. Es gibt aber auch Wege, die führen zu "sowohl - als auch" und nicht nur zu "entweder - oder". Die können wir gemeinsam finden und gehen. Und am Ende sind wir alle reicher und vor allem glücklicher als jetzt."

 

Gut zu wissen

Im Rahmen meiner Praxisarbeit biete ich neben Einzel- und Paartherapie auch regelmäßig Seminare, Vorträge, Workshops sowie Kursreihen über mehrere Wochen an. Schauen Sie doch einfach regelmäßig vorbei. Hier geht es zu den aktuellen Terminen.

 

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© Autentaris 2019 Christina Döpper Heilpraktikerpraxis für Psychotherapie, Coaching und Hypnose